29.08.2011

Humanitärer Notstand in Neu-Aqualand fordert EU-Spezialeinheit des Landesverbandes

Leipzig. In Neu-Aqualand toben seit Tagen heftige Unwetter mit Starkniederschlägen von bisher nicht erreichtem Ausmaß. Weite Landstriche stehen bereits unter Wasser. Die Wetterdienste rechnen mit weiterem Starkregen für die kommenden Tage. Es soll bereits erste Opfer unter der Bevölkerung gegeben habe. Derzeit sind die Verkehrsverbindungen größtenteils unterbrochen. Die Bundesregierung hat der Europäischen Union (EU) Hilfe durch die High Capacity Pumping (HCP) Module des Technischen Hilfswerks (THW) zugesagt. Das Einsatzgebiet ist mittlerweile erkundet. Die THW-Leitung hat entschieden, unter anderem das HCP-Modul des Landesverbandes Sachsen, Thüringen zu entsenden. Ausstattung und Personal werden am Freitag, 26.08.2011, bis spätestens 19:00 Uhr auf dem Rastplatz Muldental der BAB 14, Fahrtrichtung Leipzig, zusammengezogen.

Trotz vorangeschrittener Stunde erfolgt der Aufbau zügig und Hand in Hand

Das neu eingeführte Alarmierungskonzept für die Pumpenspezialisten des HCP-Moduls ist noch keine zwei Monate im Dienst und schon erreichte die Modulmitglieder ein Einsatzauftrag mit dem oben aufgeführten Inhalt. Bei diesem Szenario handelte es sich um die fiktive Schadenslage für das erste ausführliche Ausbildungswochenende der EU-Spezialeinheit des Landesverbandes. Dabei sollte erreicht werden, dass Personal und Ausstattung unter realistischen Bedingungen zusammengeführt und am Einsatzort unter Einsatzstruktur tätig wird.

Bereits am Sammelpunkt auf der BAB 14 wartete die erste Hürde auf die Teilnehmer. Hier mussten persönliche Unterlagen, wie Ausweisdokumente, Impfausweis und Nachweis über die Tropentauglichkeitsuntersuchung vorgelegt werden. Im realen Einsatz würde eine solche Kontrolle durch den Zoll und Sicherheitskräfte des entsprechenden Einsatzlandes ebenfalls durchgeführt. Um möglichen Konflikten bei Kontrollen zu entgehen, ist es besonders wichtig, dass alle Spezialisten bezüglich mitzuführender Dokumente sensibilisiert sind. Hierfür wurde zu diesem Ausbildungswochenende auch eine Checkliste mit vielen persönlichen Dokumenten und Ausstattungsgegenständen erörtert.

Nach dieser ersten Überprüfung auf dem Autobahnrastplatz wurde das Modul auf das Gelände des Ortsverbandes Leipzig verlegt. Hier wurde das Mannschaftslager für die zirka 25 Spezialisten mit dem angelieferten Material aus dem Zentrum für Auslandslogistik, welches 2010 explizit zur Unterstützung solcher Einheiten gegründet wurde, aufgebaut. Bei diesen Arbeiten wurde bereits die gültige Einsatzstruktur des Moduls eingenommen. Logistiker überwachten die Materialausgabe und die Teamleader koordinierten zusammen den Chiefs of Operation die Aufbaumaßnahmen. Solche Übungen dienen vor allem zum Klären von Kompetenzen und Strukturen im Team und sollen Reibungen im Einsatzfall vermeiden.

Der Ausbildungssamstag widmete sich dann den Aufgaben der einzelnen Spezialisten. Mechanical, Pumping und Electrical Experts setzten eine Hannibal-Schmutzwasserpumpe unter Feldbedingungen in Stand und mussten hierzu eine Kupplung und zahlreiche Dichtungen wechseln. Improvisationstalent war hier besonders gefragt.

Weitere Pumping und Logistics Experts kontrollierten das mitgebrachte Material der Fachgruppen Wasserschaden / Pumpen aus den Ortsverbänden auf Übereinstimmung mit den HCP-Packlisten. Im Einsatzfall ist dies von besonders hoher Bedeutung, da nicht sämtliche Technik der entsprechenden Fachgruppen für das HCP-Modul vorgesehen ist und die erarbeiteten Packlisten die Grundlage für die notwendige Zollanmeldung bilden und im Fall der Luftverfrachtung als Anhaltspunkt für das Gesamtgewicht der Ausstattung dienen.

Die Teamleader und Chiefs of Operation erkundeten in zwei Teams im Stadtgebiet Leipzig zwei mögliche Einsatzstellen und erörterten mit dem entsprechenden Pumping Expert, in wie weit an diesen Stellen die Nutzung der vorhandenen Pumptechnik möglich wäre. Weiterhin hielten sie, soweit notwendig, mit regionalen Ansprechpartnern Absprachen über die durchzuführenden Maßnahmen. Da zu diesem Zeitpunkt jedoch nur die Bedienung einer Einsatzstelle möglich war, wurden im Mannschaftslager die gesammelten Informationen ausgetauscht und die notwendige Entscheidung gefällt.

Am Nachmittag verlegte das gesamte Team an die Einsatzstelle Lindenauer Hafen im Leipziger Westen. Hier bestand die Aufgabe darin zwei Hannibal-Schmutzwasserpumpen an unterschiedlichen Entnahmestellen in Betrieb zu nehmen und Wasser aus dem Hafenbecken zu fördern. Anschließend wurde der Auftrag erweitert. Nun galt es die Wassermassen über eine längere Strecke zu transportieren. Hierzu wurden die beiden Schmutzwasserpumpen über eine Distanz von zirka 100 Metern mittels Schlauchmaterial verbunden und das Wasser im Tandembetrieb gefördert. Bei dieser Einsatzmöglichkeit der Hannibal-Schmutzwasserpumpen sind ein besonderes Feingefühlt der Pumping Experts und eine reibungslose Kommunikation zwischen diesen erforderlich. Aber auch bei dieser Aufgabe bewiesen die Mitglieder Teamgeist und arbeiteten reibungslos Hand in Hand.

Vor der Rückverlegung der Einheiten in die Heimatortsverbände zog am Sonntag der Vorsitzende der HCP-Arbeitsgruppe, Michael Vollweiler, eine positive Resonanz bezüglich der gezeigten Leistungen. Er verdeutlichte aber auch, dass in den nächsten Monaten weitere Ausbildungsanstrengungen notwendig sein werden, um eine maximale Leistungsfähigkeit zu gewährleisten und stellte diesbezüglich ein solches Ausbildungswochenende auch für das Jahr 2012 in Aussicht. Diesem Feedback schlossen sich auch die beiden Teamleader, Inez Laaser und Mirko Espig, an. Beide verdeutlichten auch nochmals die Sinnhaftigkeit solcher mehrtätigen Veranstaltungen in Bezug auf die Teambildung und damit verbunden die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Einzelnen. Ebenfalls sprachen sie Michael Vollweiler und seinen ehrenamtlichen Arbeitsgruppenmitgliedern Dank für die Planung und Organisation dieser Ausbildung aus. Ziel ist es für die kommenden Jahre, dass die Maßnahmenausgestaltung auch maßgeblich durch HCP-Spezialisten beeinflusst wird und so noch bedarfsorientierter ausgebildet werden kann.

 

Zu dieser Ausbildungsmaßnahme hat der Landesverband Sachsen, Thüringen im Ortsverband Leipzig die beiden Hannibal-Schmutzwasserpumpen samt Zubehör aus Bautzen und Eilenburg sowie das Pumpenzubehör aus Aue zusammengezogen. Weiterhin unterstützte der Ortsverband Zwickau mit der Beleuchtungsausstattung nach HCP-Handbuch.

Am Ausbildungswochenende nahmen Helferinnen und Helfer aus den Ortsverbänden Apolda, Aue-Schwarzenberg, Bautzen, Borna, Chemnitz, Dippoldiswalde, Döbeln, Eilenburg, Freiberg, Kamenz, Zittau und Zwickau teil.

Ein besonderer Dank gilt den Beteiligten des Ortsverbandes Leipzig für die Bereitstellung der Unterkunft und die Versorgung!

 


Text:
Michael Schulze,
Team Öffentlichkeitsarbeit,
Landesverband Sachsen, Thüringen


  • Trotz vorangeschrittener Stunde erfolgt der Aufbau zügig und Hand in Hand

  • Pumping Expert Roy Torke erklärt zur Wissenreaktivierung nochmals die Arbeitsabläufe an der Schmutzwasserpumpe

  • Vor der Abreise wird kritisch auf die Leistungen an diesem Wochenende zurückgeblickt und ein Ausblick für die kommenden Monate gegeben

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